Wochenend-WalkmanDiesmal mit The Fear Ratio, Yo La Tengo und Jack White

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Jeden Samstag haben wir drei Platten für euch – zumeist drei Tipps, mindestens aber drei Meinungen. Nicht immer neu, doch immer die Erwähnung wert. Heute mit The Fear Ratio, Yo La Tengo und Jack White.

The Fear Ratio Live EP

The Fear Ratio – Live EP

Thaddeus: Eine Idee treibt mich schon länger um. Was wäre, wenn Autechre den Facebook-Algorithmus ausdrucken, händisch auf Bierdeckeln transkribieren und daraus dann MAX-Patches bauen würden? Ob Sean und Rob das jemals versucht haben, ist mir nicht bekannt, die neue EP von Mark und James klingt aber ein bisschen so. Mark Broom und James Ruskin – Legenden des UK-Techno – kippen bereits seit ein paar Jahren ab und zu ihre gemeinsamen Ideen und Jams in das Projekt „The Fear Ratio“, und heuer gibt es tatsächlich eine neue EP: vier Tracks, bei denen einfach alles passt. Und die dann auch noch auf Skam erscheint, dem Label aus Manchester, nach dessen Veröffentlichungen man um die Jahrtausendwende in den Plattenläden Schlange stand – nicht nur wegen Boards Of Canada. Hier atmet alles den Geist den konfrontalen Experiments (einerseits) und dem Sound, den Autechre geprägt haben (andererseits). Ein metallener Platzregen zwischen dekonstruiertem MPC-Electro und smashender Percussion, immer wieder kontrastiert mit sanften Andeutungen stiller Melodien. Ganz klassisch also, könnte man denken, und das stimmt auch. Doch dieser Sound war schon damals abgekoppelt von jeder Zeitachse. Und das gilt auch heute noch. Bollern gegen den Schmerz.

Yo La Tengo There's A Riot Going On Cover

Yo La Tengo – There’s a Riot Going On

Ji-Hun: Seit 34 Jahren gibt es mittlerweile die Band Yo La Tengo und „There’s a Riot Going On“ dürfte das neunzehnte Album in dieser eindrucksvollen Karriere sein. Yo La Tengo ist von Anfang an etwas ganz besonderes gelungen, nicht nur, dass sie so lange schon konstant dabei sind. Aber lasst mich kurz ausholen: Ich erinnere mich an ein Interview mit DJ Koze. Auf die Frage, wann es denn eine Fischmob-Reunion geben würde, winkte er nur ab. Er fände es befremdlich, mit Inhalten, die er vor 20 Jahren gerappt hätte, auf die Bühne zu gehen. Kann man nur zu gut verstehen. Jugendsünden und Aussetzer gehören zum Pop wie die Kollekte beim Gottesdienst. Fragt mal Radiohead, wie gerne sie „Creep“ live spielen oder wie es für Ice-T sein muss mit Bodycount zu spielen. Yo La Tengo werden sich diesen Vorwurf wohl nie anhören lassen müssen. Sie waren von Beginn an Yo La Tengo und sind es heute immer noch. Dieser einzigartige, dezente, leicht verdreckte und dennoch immer liebevolle Bandsound. „There’s a Riot Going On“ ist darüber hinaus ein wirklich gutes Album geworden. Yo La Tengo klingen diesmal krautiger, verrauchter und mehr Schwarz-weiß. Ja, fast ein bisschen anders. Dazu so große Hymnen wie „For You Too“. Große Band.

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Jack White – Boarding House Reach

Benedikt: Wie sehr habe ich dieses Album herbeigesehnt. Für mich war Jack White seit Auflösung der Stripes ein Garant guter Musik. Die letzten beiden Alben haben bei mir entscheidend dazu beigetragen, das Kapitel Gitarrenmusik noch nicht für auserzählt zu halten. Zuletzt dieses Feature mit Beyoncé, kurzerhand der beste Track des großartigen Albums „Lemonade“. Und jetzt kommt, was früher oder später kommen musste: Ernüchterung. Erst kürzlich machte Mr. White Stripe sich öffentlich peinlich. Im Interview, wenn ich mich recht erinnere mit dem Rolling Stone, echauffierte er sich über DJ Khaled. Ein schamloses Cover von Santanas „Maria, Maria“ sei Khaleds Hit „Wild Thoughts“ gewesen. Bloß war das mit dem Cover nicht nur längst klar – Santana steht in den Credits des Songs –, nein, Santana selbst zeigte sich ganz angetan gegenüber dem Song und was DJ Kahled aus „Maria Maria“ gemacht hatte. Jeeesus, was für ein Fail. Und jetzt legt er, ganz böse gesagt, musikalisch nach. Zur neuen Platte: Endlich hat Jack White Klavier gelernt. Und versucht sich am Sprechgesang oder vielmehr: Spoken Word. Hätte er es mal gelassen. Er schafft es ganz allein, seiner Musik die Seele des einsamen, genialen Gitarristen und Songwriters zu entziehen, für die man ihn so geliebt hat. Plötzlich sind da Snythies en masse und Bongos. Während erstere dem sich erstmals an den Keys versuchenden Musiker noch zu verzeihen wäre, sind die ständig präsenten Holztrommeln eine echte Anomalie im Jack-White-Sound. Sie passen nicht rein. Sie gehören nicht rein. Sie machen mehr kaputt, als dass sie Bereicherung sind. Vom Songwriting möchte ich gar nicht erst anfangen. Wenn einem nichts besseres einfällt, als die Schwierigkeiten des Klavierlernens auch noch in ebenjenen Spoken Words zu vertexten, dann hat man wohl nicht mehr viel zu erzählen. Einige Songs sind trotzdem toll, weil ihnen all diese „neuen“ Bestandteile fehlen. Aber das wars dann auch. Ich bin ein bisschen traurig – und lege sehnsüchtig „Blunderbuss“ auf den Spieler.

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